Alt-Hoheneck - Gesamtansicht
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Alt-Hoheneck
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Johannes Ebel - Herrschaftszeiten in Hoheneck

(von Klaus Bendel)

 

Im ostpreußischen Königsberg des Jahres 1835.
"Ida Gräfin von der Gröben“ sitzt an ihrem Schreibtisch und blickt fassungslos auf die gerichtliche Vorladung, die sie zu einer Zeugenaussage vor dem „königlichen Consitorium“ auffordert. 
Wie können sie es wagen ihn anzuklagen? 
Ihn, dessen Leben aus reiner christlicher Nächstenliebe besteht?
Sie lässt sich in den hohen Lehnstuhl zurückfallen und schließt die Augen. 
Ida erinnert sich daran, wie sie im zarten Alter von 22 Jahren ihren Mann verloren hatte. Kaum den gemeinsamen Lebensweg betreten, wurde ihr Ehemann aus Ihrem Leben gerissen. Er fiel in der ersten Schlacht des Befreiungskriegs gegen Napoleon am 02.Mai 1813 bei Lützen.

Es fröstelt sie, wenn sie daran denkt, wie sie damals jeden Halt verloren hatte. 
In ihrer Trauer zog hatte sie sich in die Stille ihres gemeinsamen gräflichen Landsitzes zurückgezogen und verfiel dort in einen schlimmen Zustand der Apathie. 
Erst 1816 hatte sie den Weg zurück ins Leben gefunden. 
Auslöser war ein Besuch jenes Pfarrers der Altstadtkirche in Königsberg, gegen den sie nun aussagen sollte. Er hatte ihr, gemeinsam mit einem befreundeten Theologen einen Besuch abgestattet. Seine Hingabe zur Liebe Gottes und seine Art und Weise wie er diese Hingabe in Worte fassen konnte, erweckten „Gräfin Ida von der Gröben“ aus dem Alptraum zu dem ihr Dasein geworden war. 
So fasste sie wieder Mut und kehre nach Königsberg zurück. 
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Der Prediger begleitete fortan ihr Leben. Ein Kreis von einflussreichen Herrschaften hatte sich rund um ihn gebildet. Mit seinem unkonventionellen Versuch die Zeit des Rationalismus mit dem „gefühlvollen Glauben“ zu verbinden, machte er sich nicht nur Freunde. So wurde nach und nach die Worte „Sektenbildung“ und „Amtsmissbrauch“ in den Raum gestellt. Schließlich führten die Gerüchte nun dazu, dass gegen den Pfarrer der Altstadtgemeinde Anklage erhoben wurde. Damit begann vor dem „königlichen Consistorium“ der berühmte Königsberger „Muckerprozeß“, der bis ins Jahr 1845 andauern sollte.
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Auch die Gräfin soll nun vor dem Consitorium, dem ausgerechnet ihr Schwager vorsteht, aussagen. 
Sie ist außer sich und fassungslos. 
Wie konnte so ein guter Mensch, so ein „Engel Gottes“ vor Gericht gezerrt werden? 
Für sie ist dieser Prozess jenseits allen Denkbaren. 
So verweigert sie die Teilnahme an dieser Farce. Stattdessen klagt sie nun das Consitorium und im Besonderen ihren Schwager beim Ministerium an und schreibt:
 „Es hat sich das Consistorium tatsächlich auf die Seite der Verleumder gestellt, indem es, die Lüge in Schutz nehmend, einen Angriff auf göttliches und menschliches Recht gebracht. So hat es seiner hohen Berufung das Heilige Amt zu schützen entsagt und nicht bedacht, daß es hiermit sich selbst als geordnetes Haupt des geistlichen Amtes und seiner eigenen Würde entkleidet hat“.

Trotz Strafandrohungen gegen ihre Person, weigerte sie sich erfolgreich an der Gerichtsverhandlung teilzunehmen.  Letztlich wurde auf ihre Teilnahme verzichtet.
1839 wurde der Prediger zunächst der Sektenbildung für schuldig befunden und seiner Ämter enthoben. Sogar eine Gefängnisstrafe stand im Raum. Es fand jedoch ein Revisionsverfahren statt, bei dem die allermeisten der Anklagepunkte fallen gelassen wurden. Dennoch blieb die Amtsenthebung wegen „fahrlässiger Verletzung der Amtspflicht“ bestehen.

 

Der Prediger verließ Königsberg und erfuhr während eines 2-jährigen Aufenthalts in Tirol davon, dass in der Nähe von Ludwigsburg ein Fabrikant sein Anwesen zu verkaufen gedachte. So kam es, dass sich jener Prediger aus dem fernen Königsberg in 1850 Hoheneck niederließ. Ihm folgten einige seiner Glaubensschwestern und -brüder 
– Allen voran jene Gräfin, die sich so vehement für Ihn eingesetzt hatte. 
Um Raum für all die Menschen in seinem „Gefolge“ zu schaffen, kaufte er zusätzlich das Fabrikgebäude des Fabrikanten Weigle und baute dieses zu Wohnzwecken um. 
Dieses Gebäude steht heute nicht mehr. An dem Platz an dem damals diese „Fahnenfabrik“ stand, ist heute der Heilbad-Parkplatz untergebracht.
Er, seine Familie und seine Anhänger unterstützten sowohl die weltliche, als auch die kirchliche Gemeinde in Hoheneck. 
Gelebte Nächstenliebe, die beispielsweise in der Armenhilfe, in der Mitfinanzierung notwendiger Renovierungsarbeiten der Wolfgangkirche und vor allem der Gründung des ersten Kindergartens, dem „Kinderschüle“ greifbar und erlebbar wurde. 
Zunächst war das „Kinderschüle“ durch Gräfin von der Gröben ins Leben gerufen worden. Es war von seiner Tochter Adalberta danach neu aufgegriffen und fortgeführt worden.
Unvergessen sind die Stiftungen, die durch ihn, seine Familie und seinem „Gefolge“ das Leben in Hoheneck für die Armen und Schwachen bereicherten. 
Unvergessen sollte der Name vor allem in den Herzen derer bleiben, die ihre Kinder in die Obhut der Nachfolgeinstitutionen des „Kinderschüle“ der Kindergärten geben.
So trägt nun heute das Hohenecker Kinder- und Familienzentrum den Namen dieses Predigers aus Königsberg:  Johannes Ebel
 
Vor 155 Jahren ist Dr. phil. Johannes Wilhelm Ebel am 18.August 1861 im Alter von 77 Jahren wie er es in einem Gedicht beschrieb, „mit großer Freudigkeit in die „Heimat Droben“ eingegangen“.

Er und später auch seine Kinder, sowie Gräfin von der Gröben und Wilhelmine Steinberg wurden im Ebelschen Mausoleum bestattet, das er zu seinen Lebzeiten im Park seines Anwesens erbauen ließ; in jenem Park, der heute zum Heilbad Hoheneck gehört.

Soweit unser kleiner Ausflug in das Leben und Wirken des Johannes Ebel.
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Personen auf der Photographie: 
Johannes Ebel (rechts) mit Ehefrau Marie (links) im Haus am Berg 10 
(Quelle: Ortsbuch Hoheneck)
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Die Informationen zu diesem Artikel sind folgenden Quellen entnommen: 
-    „Ebel, Johannes Wilhelm“ von Bruno Schumacher, 
in: Neue Deutsche Biographie (1959)
-    „Ebel, Johannes“, Hugo Delff, 
in: Allgemeine Deutsche Biographie (1877)
-    www.wikipedia.de
-    Ortsbuch Hoheneck (1983)
-    Chronik von Hoheneck im Oberamt Ludwigsburg von Richard Stein (1921)
-    Weitere öffentliche Quellen
Die Begebenheiten in Königsberg habe ich in eine Erzählung „verpackt“, die sich wohl in ähnlicher Form abgespielt haben dürfte.

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